Rudolf Orlovius 

 *24.5.1922 in Groß-Lobenstein -                            +20.11.2009 in Lamspringe

         Der Drewenzbote !

      Heimatbrief des Kreises Neumark/Westpreußen 
       und seiner Stadt- und Amtsbezirke



 Nr. 115   Dezember 2009
 

             Löbau/Westpr. (Lubawa)
  Neumark/Westpr. (Nowe Miasto   Lubawskie)
 

Redaktion: Prof. Stephan Freiger, 

Hannelore Freiger und Superintendent Rudolf Steege


 

Liebe Landsleute!

 

Mit großer Trauer haben wir die Nachricht vom Tod unseres Ehrenvorsitzenden Rudolf Orlovius aufgenommen. Rudolf Orlovius war von 1983 bis 1997 Vorsitzender der Heimatkreises. Auch danach hat er sich sehr um den Heimatkreis gekümmert, mich unterstützt und für den Drewenzboten und den „Westpreussen“ geschrieben. 2004 fuhr er mit uns nach Löbau, feierte u.a. gemeinsam mit der Gruppe und dem Pfarrer der Johanneskirche in eben dieser Kirche, für die er jahrelang Spenden für ihre Renovierung gesammelt hatte, einen ökumenischen Gottesdienst.

Ein Abstecher nach Groß-Lobenstein, seinem Geburtsort, ließ die Gruppe an hoch interessanten Ausführungen über die Führung des Familien-Gutes teilnehmen. 

Gewiß lief dabei an seinem inneren Auge seine Kindheit, seine Jugend – das Leben der Gutsbesitzerfamilie Orlovius, deren letzter Sproß er war, vorbei. Nur zu verständlich: in seinen letzten Lebensjahren widmete er seine Zeit besonders der Erstellung einer  Familienchronik und wirkte – gemeinsam mit seiner Frau Ursula – an einer Fernsehsendung  und dem dazugehörigen Buch „Als der Osten noch Heimat war – Westpreußen“ mit, ausgestrahlt vom ZDF im Oktober. Auf unserem letzten Heimatkreistreffen im September, wurde Rudolf Orlovius in Abwesenheit mit der „Westpreußen-Spange in Silber“ ausgezeichnet. Sein früher Tod verhinderte, ihm die Auszeichnung  persönlich  zu überbringen.

Auf seiner Beerdigung hat seine Witwe Spange und Urkunde in memoriam entgegengenommen. Ein ehrendes Angedenken ist Rudolf Orlovius gewiß.

Nicht zuletzt in seinem Sinne, davon bin ich mir gewiß, geht die Heimatkreisarbeit, solange wir die Kraft haben, weiter - und Sie uns unterstützen! Gewiß, wir wollen bisherige Heimatkreisversammlungen nicht mehr durchführen, aber die Gelegenheit, sich zu treffen, ist noch immer gegeben: Jedes Jahr kommen Vorstand und Beirat einmal zusammen. Was hindert uns bzw. Sie daran, teilzunehmen? Langweilig sind die Zusammenkünfte gewiß nicht, zumal wir immer Zeit gefunden haben, den jeweiligen Tagungsort und seine Umgebung unter sachverständiger Leitung zu erkunden. Um Ihnen die Anmeldung attraktiver zu machen, wollen wir diese Treffen auch als „kleine Heimatkreistreffen“ bezeichnen. Es liegt übrigens bereits fest, dass Vorstand und Beirat im September 2010 in Leer/Ostfriesland tagen.

 Wenn Sie dazu kommen möchten, melden Sie sich bitte rechtzeitig bei Gisela und Leo Kroh,  Burfehner Weg 11a, 26789 Leer,  Tel. 049165412  an. Die Beiden organisieren unsere Unterkunft und mögliche Unternehmungen.

Die Berichte auf den Seiten 26-28 veranlaßen mich, Sie zu bitten, nicht nachzulassen, für unsere ehemaligen Friedhöfe zu spenden. Dank im voraus!

Vielleicht gelingt es uns, den auf dem Heimatkreistreffen geäußerten Wunsch zu realisieren und eine Fahrt in die alte Heimat zu organisieren, verbunden mit der Gelegenheit, auf ein oder zwei Friedhöfen Gedenksteine zu setzen.  Melden Sie sich bitte bei mir an, wenn Sie mitkommen möchten.

Gesegnete Weihnacht und ein gesundes, gutes neues Jahr!

 Ihr Stephan Freiger  

Heimatkreisvertreter

   

 

Liebe Heimatgemeinde !

Wenn nichts Außergewöhnliches eintreten sollte, dann haben wir Ende September 2009 das letzte Heimatkreistreffen gefeiert. 64 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges verwundert das nicht allzu sehr, denn die Erlebnisgeneration stirbt nach und nach aus. Die noch Übriggebliebenen sind alt und oft gebrechlich geworden, können sich weite Reisen kaum noch leisten, sind aber dankbar für Kontakte, die weiter gepflegt werden sollen. Dazu gehört der zweimal im Jahr erscheinende Drewenzbote.

In aller Regel gehört zur Dezemberausgabe auch eine kurze Andacht, ein geistliches Wort. In diesem Zusammenhang nun möchte ich uns daran erinnern, dass wir in früheren Jahren, als noch viele Teilnehmer zu den Treffen nach Verden und später nach Hude kamen, stets  ein Heimatgottesdienst ange-boten wurde. Als in jüngster Zeit die Zahlen kleiner wurden, haben wir uns zu Andachten am frühen Sonntag, meist am Ort unserer Versammlungen, getroffen, aber wohl nie darauf verzichtet, uns Gottes Wort zurufen zu lassen und uns unter seinen Segen zu stellen.

Zwei den geschilderten Rahmen sprengende Begebenheiten möchte ich aber hervorheben. Zum einen denke ich an den Gottesdienst, den wir während unserer Fahrt in die Alte Heimat am 12. Juni 2004 in der früheren evangelischen und nun katholischen Kirche in Löbau erleben durften. Es war ein ökumenischer Gottesdienst in doppelter Hinsicht. Es trafen sich dazu Polen und Deutsche, Evangelische und Katholische. Als ich dem heutigen katholischen Ortspfarrer eine Bibel in deutscher Sprache überreicht hatte, griff er spontan zur Altarbibel  und gab sie mir mit. Jetzt steht diese Bibel in polnischer Sprache bei mir in Daaden.

Zum anderen haben wir unser letztes Heimatkreistreffen am 27. September 2009 auch wieder mit einem Gottesdienst in der Ev. St. Elisabeth-Kirche zu Hude verbunden. Dort kamen  gleichzeitig die Ortsgemeinde und die Heimatgemeinde aus dem früheren Kreis Neumark zusammen, um gemeinsam zu singen, zu beten und auf Gottes Wort zu hören. Eine besondere Freude war es mir, dass sich an der Gestaltung des Gottesdienstes auch Monsignore Franz Bieler beteiligte, der aus Danzig stammt und jetzt mit Schwester und Bruder in Hude im Ruhestand wohnt.

Und nun gehen wir wieder auf Weihnachten und ein Neues Jahr zu. Wir haben dabei allen Anlass zu singen, zu bitten und zu bekennen: „ Jesus, geh voran auf der Lebensbahn, und wir wollen nicht verweilen, dir getreulich nachzueilen, führ uns an der Hand bis ins Vaterland.“ Was immer Ihnen im sich neigenden Jahr 2009 begegnet sein mag, was immer auf Sie im Jahr 2010 zukommen mag, ich wünsche Ihnen allen von Herzen Gottes Schutz und seinen reichen Segen. Es bleibt dabei: „An Gottes Segen ist alles gelegen!“ Bei allen Veränderungen, die wir erleben, steht doch fest, was wir in Johannes 3,16 lesen: „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn dahingab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben.“ Bleiben Sie behütet und Gott befohlen!

 Ihr Rudolf Steege

 

Grußwort des Patenkreises Oldenburg

zur Jahreswende 2009/2010

Mit großen Schritten neigt sich das Jahr 2009 dem Ende entgegen. Viele große und kleine, sowie fröhliche aber auch nachdenkliche Ereignisse haben uns bewegt. Über die Medien haben wir am Geschehen in der ganzen Welt teilgenommen, andere Dinge haben wir live erlebt. Zum Jahresende und in der Weihnachtszeit halten viele Menschen trotz der vielerorts großen Hektik inne, um die vergangenen Monate Revue passieren zu lassen.  Die bevorstehenden Feiertage und der Jahreswechsel sollen Inseln der Besinnung und der Ruhe, aber auch der Fröhlichkeit und des herzlichen Miteinanders sein.

      Ich freue mich, dass wir auch in diesem Jahr das herzliche Miteinander und die partnerschaftliche Verbindung zu unseren Freunden im Landkreis Nowomiejski weiter vertiefen konnten. Im Juni diesen Jahres war eine Delegation aus dem polnischen Landkreis Nowomiejski - mit Landrat Stanislaw Czajka an der Spitze - zu einem Besuch im Landkreis Oldenburg zu Gast. Im September hat eine Delegation des Landkreises Oldenburg unsere Freunde in Polen besucht.

Dieser gedankliche Austausch auf den Sektoren Wirtschaft, Tourismus und Kultur hat für beide Seiten erneut viele interessante Aspekte aufgezeigt. Aus diesem Grund, und darin waren sich alle Beteiligten einig, waren die gegenseitigen Besuch allein schon ein voller Erfolg.

Die zahlreichen Fachgespräche führen erfreulicherweise zu immer engeren Kontakten und fördern die partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen den Landkreisen. Diese Partnerschaft soll im kommenden Jahres weiter vertieft werden.

Allen Neumarkern und ihren Familien wünsche ich, dass sie nach der Hektik des Alltags in der Weihnachtszeit etwas zur Ruhe kommen. Genießen Sie die Stunden in der Winterstille aber auch die Fröhlichkeit und freuen Sie sich auf das neue Jahr. Schöne Weihnachtsfeiertage und alles Gute für das Jahr 2010!

Landkreis Oldenburg

                                 Frank Eger   

Landrat

   

 

 

 

Kurzfassung des Protokolls der Heimatkreisversammlung am 26.9.2009 in Hude, Landkreis Oldenburg.

Der Vorsitzende, Prof. Freiger, berichtet zunächst über die im September 2008  in Daaden, bzw. Friedewald, stattgefundene Sitzung des Vorstands und des Beirats. U.a. verweist er auf den Beschluß, den Drewenzboten weiterhin zweimal im Jahr erscheinen zu lassen und auf die noch ungelöste Frage nach der Pflege der Friedhöfe in den Dörfern im Löbauer und Neumarker Land.

Satzungsänderung.

Im übrigen sollen  zu den Vorstands- und Beiratssitzungen Einladungen an alle Interessierten durch Veröffentlichung im Drewenzboten ergehen. Die nächste Sitzung ist für September 2010 in Leer/Ostfriesland geplant.

 Die Wahlen für Vorstand, Beirat und Kasselprüfung ergaben: 

Heimatkreisvertreter war und bleibt Prof. Stephan Freiger.  Alfred Brandt und Bruno-Heinz Gollnast bleiben Stellvertreter des Heimatkreisvertreters, Bruno-Heinz Gollnast auch Kassenwart.

In den Beirat werden gewählt: Heinz Brandt +, Hans Brunst, Hannelore Freiger, Gisela Kroh, Leo Kroh und Rudolf Steege. Kassenprüfer bleiben Gisela Kroh und Leo Kroh. Wahlleiter, auch für die Wahlen in den Folgejahren, ist Hans Brunst. Gisela Kroh wird außerdem künftig die Geburtstagsgrüße versenden, die bisher von Waltraud Ziesemann verschickt wurden (sie hatte um Entbindung von dieser Aufgabe gebeten ). Für ihre langjährige Tätigkeit dankt ihr der Heimatkreis.

Von links: Alfred Brandt, Jörg Kreusel, Hannelore Freiger, Edmund Tessmer und Bruno-Heinz Gollnast

Der Heimatkreis hat mehrere Heimatkreismitglieder und Förderer des Heimatkreises geehrt:

Dem leider wegen Krankheit fehlenden früheren Heimatkreisvertreter Rudolf Orlovius+ wird die „Westpreußen-Spange in Silber“ verliehen. Die Ehrenurkunde der Landsmannschaft Westpreußen wird verlesen. Das „Ehrenzeichen der Landsmannschaft Westpreußen“ mit Urkunde erhalten Edmund Tessmer, Alfred Brandt, Bruno-Heinz Gollnast und Hannelore Freiger. Die gleiche Würdigung erhielten bei der Festveranstaltung am folgenden Tage Landrat Frank Eger und Jörg Kreusel (er hat entscheidend beim deutsch-polnischen Jugendlager 1999 geholfen) erfahren. Auch Joanna Kardela, die zunächst ihr Kommen zugesagt hatte aber ihr Versprechen nicht einhalten konnte, wurde mit dem Ehrenzeichen ausgezeichnet.

Rudolf Steege

 

 

Rückblick  mit historischem Bezug  (besonders polnische Aktivitäten nach 1918)

Rede, gehalten auf dem Heimattreffen in Hude 2009 von Stephan Freiger

 

 

 

Alte Friedhöfe sollen erhalten bleiben!

Der Marschall der Woiwodschaft Ermland-Masuren, Jacek Protas,  hat nach einem Gespräch mit dem „Komitee zur Rettung der alten Friedhöfe in Ermland-Masuren“ ein Schreiben an die Verwaltung in der Woiwodschaft gerichtet, u.a. mit folgendem Inhalt:

“Auf dem Gebiet unserer Woiwodschaft (Kreise Neumark und Deutsch-Eylau mit Löbau gehören dazu, die Red.) wohnten in der Vergangenheit Polen, Deutsche, Masuren, Juden und Vertreter anderer Nationalitäten und Religionen. Die meisten ehemaligen Bewohner haben unter verschiedenen Umständen ihre Heimat verlassen. Sie haben aber hier die Spuren ihrer Anwesenheit gelassen, darunter auch Friedhöfe und Gräber ihrer Nächsten.“

Die Quelle WWIM, aus der der Text übernommen wurde, schreibt weiter:

„Ein Teil der Friedhöfe ist auf natürliche Art und Weise verschwunden, manche sind in Städten in Parkanlagen umgestaltet worden, und viele sind verlassen und werden zerstört. Am wenigsten erinnert man sich an evangelische Friedhöfe.“

 

 

 

 

Jacek Protas weiter: „Friedhöfe sind ein historisches Zeugnis, sie bestätigen unseren Zusammenhang mit der Vergangenheit und bestimmen den Zustand der gegenwärtigen Kultur. In allen Kulturen werden die Gräber der Verstorbenen besonders gepflegt. Sie sind Denkmäler der Vergangenheit dieses Gebietes, erhalten einen engen Zusammenhang mit der Vergangenheit und gestalten nationale Identität und gesellschaftliche Verbundenheit. Unsere Pflicht ist, das historische Erbe zu schützen. Es ist auch wichtig, die Gräber der sich für dieses Gebiet in verschiedenen Zeiten verdient gemachten Persönlichkeiten zu pflegen.“ 

 

 

Einweihung des Gedenksteins auf dem ehemaligen evangelischen Friedhof in Forsthausen (Szafarnia) im Juli 2009

Auszug mit Bild aus einem Artikel von Stanislaw Ulatowski, Redakteur der „Nowe Miasto“.

Ausgegangen war die Initiative vom Schulzen des Dorfes, Tadeusz Majewski, der den Sohn des letzten evangelischen Pfarrers, Dr. Rudolf Birkholz, Heimatkreis-vertreter des Kreises Strasburg, darauf ange-sprochen hatte.

Zur Feier waren u.a. der Pfarrer und die Gläubigen der evangelischen Pfarrgemeinde in Rypin und Dorfbewohner gekommen.

Die Pfarrgemeinde gehörte früher zum Kirchenkreis Neumark, Gottesdienste wurden damals vom Pastor aus Löbau, Konstantin Wannovius, gehalten. Der Friedhof am Rande des Dorfes wurde 1894 gegründet.

Pastor Michał Walukiewicz, Pfarrer der evangelischen Pfarrgemeinde in Breslau, sagte: „Wir wollen uns hier an alle die erinnern, die auf diesem Friedhof ruhen. Wir wollen das Schaffen ihres Lebens ehren, indem wir diese Tafel enthüllen. Sie soll ein Symbol der Toleranz, des gegenseitigen Respekts für nächste Generationen sein.“ 

Dr. Rudolf Birkholz erinnerte sich, dass er als Kind von seinem Vater mit einer Kutsche zur Sonntagsschule in die Kirche gebracht wurde.

Landrätin Zofia Andrejewska hob das friedliche Zusammenleben der Völker in Europa hervor.

„Mit dem Thema der alten Friedhöfe auf dem Gebiet des Neumarker Kreises werden wir uns noch in unserer Zeitung beschäftigen“ kündigt  Stanislaw Ulatowski an.

   

 

 

 

Totenehrung zu Allerheiligen in Löbau und Lonkorrek

Von links: Edmund Standara Bürgermeister von Löbau, Jan Riedel und Edmund Tessmer vom Deutscher  Verein Neumark

  

Jan Karwowski, Lucyna Prusakowska, Jan Riedel, Edmund Tessmer

   

 

 

Die Kleinbahn Seinskau-(Zajonskowo)-Neumark  wurde am 1. Oktober 1910 eröffnete. Zum 100. Jubiläum – auch wenn sie nicht mehr in Betrieb ist – will Herr Jörg Petzold aus Dresden in der Zeitschrift für Kleinbahn-Geschichte DME einen Aufsatz veröffentlichen.


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